Interview mit Fler

15.06.2006

Fler

Nach unserem letzten Interview mit Fler im Winter 2004 hat sich so viel getan, das wir jetzt, kurz vor der Veröffentlichung seines zweiten Albums "Trendsetter", die Chance zu einem zweiten Gespräch wargenommen haben.

Delicious: Am 13.11.04 haben wir Dich und B-Tight in Münster schon einmal interviewt. Damals war Dein erstes Album noch nicht draußen, was hat sich in der Zwischenzeit für Dich alles geändert?

Fler: Natürlich ist ne Menge passiert, hohe Charterfolge, viele Skandale, natürlich auch viel neues zu berichten… Wie sicher alle mitbekommen haben, hat sich Neue Deutsche Welle sehr gut verkauft und zwischendurch hat sich die Ansage Nr. 5 auch gut verkauft. Bei meinem neuen Album will ich versuchen, auch ohne Skandale das toppen.

D.: Dein zweites Album heißt „Trendsetter“, fühlst Du dich als solcher oder warum hast Du den Titel gewählt?

F.: Für die Leute, die wissen was hinter den Kulissen abgeht, ist es Tatsache, dass ich der Trendsetter bin. Aber natürlich beziehe ich mein Label mit ein und alle die dazu beigetragen haben. Auch in Zukunft werde ich Trends setzen. Macht euch auf was gefasst.

D: In der ersten Single „Papa ist zurück“ schießt Du nochmal gegen Eko. Nur kurz, aber es kommt wohl an. Und in dem ein oder anderen Interview erwähnst du hin und wieder noch Bushido und auch das nicht sehr positiv. Scheinbar wurmt Dich da immer noch was. Ist das Thema nicht schon längst gegessen?

F.: Eigentlich ja. Meine Fans fragen mich trotzdem noch, ob ich auf die beiden Disstracks reagieren werde und darum sollten sich alle, die darauf warten mein Album kaufen. Aber jetzt persoenlich wurmt mich far nichts mehr, die sind mir egal.

D.: Generell sind die Texte auf der Single/EP nach wie vor recht Hart (das Album konnten wir noch nicht hören, Anm. d. Red.). Hat sich Deine Schreib- und Denkweise bei Tracks generell verändert weil jetzt mehr Leute zuhören als früher, oder ist es Dir völlig egal?

F.: Die B-Trax die auf der Single drauf sind, sind auch nicht der qualitative Standard, den ich grad habe, ausser der Track mit Juelz Santana. Das Album ist viel persönlicher und viel facettenreicher. Ich bin auf vielen Trax härter wie nie zuvor und auf anderen so persönlich wie es nur geht.

D.: Unter den Leuten, die Eure/Deine Musik hören sind ja auch viele Jüngere. Denkst Du, Du hast durch Deinen Erfolg auch eine gewisse Verantwortung denen gegenüber was Deine Texte und auch Dein Auftreten in den Medien angeht?

F.: Ich habe eine gewisse Macht, aber Verantwortung trage ich nur für meine eigenen Kinder, wenn ich mal welche habe. Ich mache mir natürlich Gedanken, was meine Musik für Auswirkungen hat, und darum mache ich mir mittlerweile mehr Gedanken, was ich rappe.

D.: Auf „Buhmann“ erzählst Du von den Dingen die die Kids wegen Dir machen. Wärest Du Stolz drauf, wenn es wirklich so wäre?

F.: Das ist ironisch gemeint, es wäre schlimm, wenn die Kinder solche Sachen wegen mir machen würden. Tatsache ist, dass die Leute alles auf mich schieben und darum bin ich der Buhmann, nicht, weil es wirklich so ist. Im Endeffekt werden die Kinder von den Eltern erzogen und es liegt an den Eltern, dass sie die Kinder im griff haben.

D.: Wer hat, neben Desue, sonst noch am Album mitproduziert und was für Features hast Du mit dabei?

F.: Produziert haben Desue, Paul NZA, Beathoavenz, Tai Jason und DJ Kenny D. von Phlatline. Aber 90% hat Desue gemacht. Als features sind sido, B-Tight, Tony D, G-Hot, Bass Sultan Hengzt, Muhabbet und Deso drauf.

D.: Mit welchem Künstler/welcher Künstlerin mit dem/der Du bis jetzt noch nicht zusammengearbeitet hast würdest Du gerne irgendwann einen Song aufnehmen?

F.: mit Britney Spears oder Paris Hilton.

D.: Was für Musik hörst Du im Moment privat außer Deinen eigenen Sachen bzw. Sachen aus Deinem musikalischen Umfeld? Hörst Du überhaupt Eure eigenen Sachen nachdem sie released sind noch?

F.: Grade höre ich nur mein Album, weil ich es extrem geil finde. Und sonst höre ich eigentlich jede HipHop-Platte, die neu ist. Ausser Talib kweli und Common.

D.: Auf dem 90210-Mixtape sagst Du, dass Du mit Savas auf einer Höhe bist. Meinst Du das raptechnisch oder geht es da um Verkaufszahlen & Konzertbesucher?

F.: Bei meinem neuem Album glaube ich, dass wir in derselben Liga sind. Verkaufstechnisch bin ich sogar über ihm. Der Titel King of Rap gehört immer noch Savas.

D.: Was denkst Du, wie deutscher Rap sich entwickeln wird? Denkst Du Rap kann in Deutschland im Verhältnis vielleicht genauso populär werden wie in den USA?

F.: Nee glaub ich nicht. Die Fans sind zu kindisch und die Medien zu alt und hören lieber Rock. Aber mal sehen was kommt. Ich bin optimistisch.

D.: Denkst Du, der Hype um Aggro Berlin oder um deutschen „Gangster“-Rap im allgemeinen ist irgendwann zu Ende und was würdest Du dann machen?

F.: Natürlich wird der Hype irgendwann weniger. Aber wir rappen nicht so, weil wir Aggro Berlin sind, sondern weil Rap so ist. Deutschland ist bloss Jahrelang mit diesem Ökorap gefüttert worden und darum ist es für euch alle jetzt was neues. In den USA ist selbst ein weiblicher MC mehr Gangster als hier so manche Männer. Das ist ganz normal.

D.: Letzte Worte an unsere Leser??

F.: Ich liebe Euch alle – auch wenn ihr noch nicht volljährig seid. Kauft mein Album TRENDSETTER.

Danke für das Gespräch!

Interview: Markus Rödder & Gerrit Hoffschulte

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