Interview mit Blumentopf

01.11.2006
Blumentopf

Blumentopf

Lange mussten die Fans warten, ehe sich die fünf Münchener „Töpfe“ dazu entschlossen, nach ihren bisherigen vier Alben (kein Zufall, Großes Kino, Eins A und Gern Geschehen), das fünfte Album folgen zu lassen. Seit September 2006 ist es endlich  soweit, `Musikmaschine´ ist draußen und mit dem neuen Tonträger ist Blumentopf  nun von der Isar bis zur Elbe auch auf Tour.

Um den Fans ihre sehr von Live-Instrumenten beeinflusste Platte entsprechend vorzustellen, ging es diesmal direkt mit Live Band auf Tour. Beim Tourstop in Münster trafen Anabelle und Phil auf Roger & Schu vom Topf, die gerade mit Ihren Spielkonsolen beschäftigt sind.

Delicious: Servus Jungs! Ich hoffe mal ich hab euch nicht gerade in einem wichtigen Level gestört...

Roger: ...Nee nee, war schon ganz gut dass ihr uns da raus geholt habt, sonst hätte er am Ende noch dieses rennen gegen mich gewonnen. (grinst)

Schu: Eigentlich gewinne ich die ganze Zeit und wollte ihn gerade mal gewinnen lassen, damit er nicht den Spaß verliert.

Delicious: Soso, ihr nutzt eure Freizeit also zum daddeln, was habt ihr gerade gezockt?

Schu: Den Klassiker! Mariokart.

Delicious: Okay, auf dem Nintendo DS also. Das ist, glaube ich, mittlerweile die vierte Generation nach dem `Gameboy´ oder?

Roger: Alle Achtung, das stimmt sogar ziemlich exakt. (lacht)

Delicious: Na gut, lass uns mal zur Sache kommen. Ich seit also gerade auf Tour zu eurem neuen Album Musikmaschine. Wie sind bisher die Eindrücke von der Tour mit Live Band?

Roger: Es ist echt eine coole Sache. Wir hatten vorher zwar schon ein paar Gigs mit einer Live Band gespielt, aber nie eine ganze Tour und das ist schon echt was anderes. Es macht aber ansonsten Spaß, wie immer wenn man auf Tour ist.

Du trinkst sehr viel, guckst dir danach noch eine Folge Familyguy an und gehst dann schlafen. Morgens wachst du in einer anderen Stadt auf, wo du ein bissel rumguckst und dann geht es wieder los mit Soundcheck. Das ist jetzt ganz grob überrissen, in Wirklichkeit ist es viel spektakulärer.

Delicious: Nun seit ihr ja aber nicht mehr zu fünft als Team unterwegs sondern mit Band. Wo wird es denn da schwieriger?

Schu: Also erst mal ganz klar die Zeit, weil wir jetzt vier Mann mehr sind, mit denen man Proben und Auftreten muss, was natürlich auch noch mal mehr Organisation erfordert. Allein schon von der Technik her. Da sind dann ja noch Tontechniker am Werke und die Abstimmung muss viel feiner gemacht werden, als wenn man nur mit vier Mics und Plattentellern unterwegs ist. Aber es ist ein Aufwand, der sich auf jeden Fall gelohnt hat. Es macht sehr viel mehr Spaß.

Delicious: War es denn von Anfang an klar, dass, wenn das neue Album draußen ist, ihr die Sachen auch mit Band spielen werdet?

Roger: Eigentlich war das schon der Plan. Vielleicht nicht während der Produktion, aber nach der einen Show in München, die wir mit Band gespielt hatten, haben wir schon gesagt, dass wir es gerne machen wollen, solange es finanziell tragbar ist. Sicherlich war das letztendlich auch ein kleiner Traum den wir uns da verwirklicht haben.

Schu: Wir wollen ja auf jeder Tour immer irgendwas besser machen. Ob das nun irgendwelche Background-Tänzer sind, eine Band, oder sonstige Showeffekte, weiß man vorher nie. Wichtig ist die Steigerung, um den Leuten was zu bieten....

Roger: ...das klappt ja auch gut, weil die Band ja nicht völlig stumpf unsere Songs herunterspielt, sondern mit ihren Instrumenten unsere Songs interpretieren. Es klingt dabei natürlich immer noch nach „Topf“, aber eben spezieller.

Delicious: Wie hat sich denn dann ergeben, welche Songs ihr Live überhaupt spielen wollt, oder in welcher Reihenfolge? Es gibt ja sicherlich Songs, die für eine Live Band sehr zu spielen sind und dann wieder Songs, bei denen es schwieriger wird...

Roger: Ach eigentlich basteln wir noch ständig daran herum. Das Gerüst steht, aber es kommen immer mal wieder Kleinigkeiten hinzu. Es ist schließlich eine Riesen Erweiterung, die man erst mal richtig ausschöpfen muss.

Wir machen uns schon viele Gedanken, welche Songs man live am besten umsetzen kann, aber bisher sind wir sehr positiv überrascht worden, was die Reaktionen anging. Auch manche Lieder wie zum Beispiel „Keine Zeit“, da hab ich vorher gedacht: „Okay, mal sehen“ und die rocken dann live sogar noch mehr, als auf Platte. Das überrascht einen selbst natürlich auch.

Schu: Man hat ja auch selber ein ganz eigenes Tempo und seine Art, die man mit der Band abstimmen muss. Es ist ja nicht nur so, dass die Band sich auf unsere Songs einstellen muss.
Wir variieren natürlich hier und da ein bisschen, machen Freestyle Sessions und lassen mal was weg oder spielen mal einen mehr, aber das Set steht.

Delicious: Hat sich denn schon ein Song herauskristallisiert, der Live mit Band am besten ankommt?

Schu: Ja ich denke das ist „Mehr“. Der kommt –live super an und ist auch für die Band schön zu spielen, weil es u.a. auch von der Rhythmik etwas anspruchsvoller ist, so kommt auch die Band auf ihre kosten.

Roger: Da stimme ich zu! Es war ein Song bei dem wir auch gedacht haben wie der wohl wirkt und es war der Hammer. Mit „Safari“ haben wir ja einen Track der live schon schwer zu toppen ist. Aber „Mehr“ hat schon unfassbar reingehauen.

Delicious: Wie ist das mit der neuen Platte, gibt es da auch schon einen persönlichen Lieblingssong?

Roger: Das ist immer ganz, ganz schwer. Wir haben ja noch nicht mal alles davon live gemacht. Da braucht man auch immer etwas Abstand zu. Im nachhinein kann man immer viel sagen. Zum Beispiel dass vom `Gern Geschehen´ Album `Mustermann´ ein ganz besonderer Song ist.

Delicious: Ihr seit ja als Band schon ein relatives einzigartiges Phänomen in der HipHop Landschaft, weil ihr schon seit so vielen Jahren konstant dabei seid und das bei so vielen Köpfen. Wie schafft man das da noch alles unter einen Hut zu bekommen?

Schu: Also die Beginner oder die Brote schaffen es ja auch noch... Nee im ernst, wir haben einfach Bock drauf. Wenn man einen gewissen Erfolg hat mit dem was einem Spaß macht, ist es nicht leicht damit aufzuhören.

Roger: Es ist ja auch nicht so, als wenn wir uns immer aufraffen müssten, so nach dem Motto: „Uuuh verdammt, wir müssen jetzt mal wieder was machen, sonst ist das Konto bald ganz leer“.

Schu: Ganz genau, denn solange es für uns gut klingt und uns niemand sagt „Oh Gott, lasst es endlich sein“, machen wir es eben. Es muss einfach immer weiter gehen. Es ist ja nicht so, dass es sich abnutzt. Solche Sachen wie jetzt mit Band motivieren ja auf eine Weise zusätzlich neu.

Delicious: Wie entstanden denn die Texte für das neue Album und wo kam die Inspiration her?

Schu: Wir haben uns einfach immer abwechselnd im Studio getroffen und ne kleine Textsession geschoben. Am Anfang hatte das schon so Freestyle Charakter, wenn alle geschrieben haben, bis einer dann meinte: „Yo ich glaub ich hab da was“. Aber nur freestylen, dafür treffen wir uns nicht mehr. Man merkt auch, um so länger wir auf Tour sind, um so besser werden die Freestyles. Es kommt aber auch so nicht oft vor das wir uns alle zusammen  im Studio einfinden.

Roger: Der Schu macht ja auch einmal Pro Woche in München einen Workshop für Jugendliche, wo er mit denen Freestyle-Reime kickt und erklärt wo es beim texten ankommt...

Schu: ...Und wo ich mich auch regelmäßig hinreißen lasse. (grinst)

Delicious: „Horst“ war ja die erste Single aus dem Album. Wie kam es denn dazu?

Roger: Hehe ja die haben wir rausgehorstet (grinst). Wir waren noch bis spät Nachts im Proberaum, als wir diesen selbst eingespielten Beat gehört haben, der uns in dem Moment so geflasht hat, wegen diesem Oldschoolflair.

Der Erste Ansatz war dieses „Horst-Horst“ im Chorus, was stand und wo für mich klar war das Lied wird einfach ein Horst. Die Idee gab’s schon eigentlich länger und da wurde es konkret.

Delicious: Manche sehen ja gewisse Parallelen zum Track `MfG´ von den Fantas in diesem Song.

Roger: Ja da hab ich auch mal im Gästebuch ein oder zwei Einträge zu gelesen. Ich finde das eigentlich nicht so und die Inspiration kam auch definitiv nicht daher. Einzig die Idee ist so genial einfach, das wir erst überlegt haben ob wir das überhaupt so bringen können.

Eben als Textband einen Track machen, der sehr wenig Textaussage hat. Beispielsweise kam der Wunder (Holunder - Anm. d. Red.) Nachts noch vorbei und wir dachten erst, der findets vielleicht richtig Scheiße. Aber als er es dann gut fand, dachte ich, das wird ein richtig dickes Ding.

Delicious: Vom Instrumental erinnert es stellenweise etwas an „Funky Cold Medina“ von Tone Loc oder nicht?

Schu: Ja okay, da kann ich sogar eher zustimmen, als dass der Text an MfG erinnert. Wobei auch das keine Absicht war.

Roger: Wenn es jetzt noch den Erfolg von `MfG´ und `Funky Cold Medina´ in sich vereinen würde, wären wir bald lebende Legenden. (lacht)

Delicious: Mal zu einem ganz anderen Song. Das Lied: `Du und ich´, klingt ja sehr melancholisch, aber auch sehr persönlich. Aus welcher Motivation ist das denn entstanden?

Schu: Das ist von mir und meiner Freundin Johanna. Dieses Lied haben wir zusammen gemacht, in einer Phase wo es schwierig lief. Es ist einfach so, wenn man schon sehr lange mit seinem Partner zusammen wohnt, dann kommt  zwangsläufig irgendwann der Zeitpunkt, wo man mal etwas genervt von einander ist.

Da wacht man dann nicht mehr jeden Morgen auf und freut sich, dass der andere neben einem liegt... So ist das Lied entstanden. Das hat Spaß gemacht und nun geht es uns auch wieder besser. Der Song war eine Art Katalysator für unsere Beziehung.

Delicious: Ich hab das Leid gehört und fühlte mich daran erinnert, wie sehr ja auch der Egoismus eine Beziehung ruinieren kann, weil man einfach zuviel Stolz hat, um gewisse Dinge anzusprechen, oder weil man zu schnell die Beziehung aufgibt um sich was anderes zu suchen.

Schu: Es spiegelt so einiges wieder. Aber Egoismus ist ja manchmal gar nicht verkehrt, weil man ja nicht immer nur an den anderen denken darf, wie er oder sie fühlt und denkt. Aber Musik drüber zu machen hilft. Das kann ich nur empfehlen. ...Da kann man sogar Geld mit verdienen. (lacht)

Delicious: Habt ihr den das Album in einem durchgezogen oder gab es längere Pausen?

Roger: Eigentlich ging alles sehr straight durch, aber eine Pause hatten wir dann doch. Da haben wir ein paar Wochen lang nix, weil es mit der Plattenfirma noch was zu klären gab, aber im Endeffekt war das gerade gut, weil dadurch hatten wir die Chance mal etwas Abstand dazu.

Delicious: Hehe okay, in diesem Sinne wünschen wir euch noch viel Spaß auf der Musikmaschine Tour. Danke für das nette Gespräch.

Interview: Phil Wahle / Anabelle Kremer

Foto: blumentopf.com

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