Interview

29.06.2006
Afu-Ra

Afu-Ra

Nachdem die Breaker beim Münsterbattle alles gegeben haben, hat unser
Redakteur Fill die Möglichkeit, Afu Ra zu einem kleinen Interview zu
laden, bevor dieser das komplette Palace für über 2 Stunden in seinen
Bann zieht. Vor uns sitzt ein geschorener und sehr gesprächiger Afura...

„Defeat is still my heartbeat“ (Afu-Ra)

Delicious: Hey Afu-Ra, als du gerade den Raum betreten hast musste ich echt zweimal hingucken um dich zu erkennen. Wo sind deine langen Dreadlocks geblieben?

Afu-Ra: Ach, die mussten einfach mal ab! Es war eine Laune von mir und hat keinen tieferen Sinn… `I cut my hair cus' i want to!´

Delicious: Also hast du nicht die Religion gewechselt, deine Frau ist dir nicht weg gelaufen und am Sommer liegt es auch nicht?!

Afu-Ra: (lächelt) Nee echt, es war einfach mal eine Veränderung… Rastafari bin ich natürlich immer noch. Das ist eine Lebenseinstellung und hat mit den Haaren nichts zu tun!

Delicious: Wie fühlt es sich an mal wieder in Deutschland zu sein?

Afu-Ra: Yeah, gut natürlich! Ich bin ja immer gerne in Europa unterwegs und weiß es sehr zu schätzen dass die Leute hier meinen Stuff mögen.

Delicious: Das letzte mal, als wir dich in Münster gesehen haben, bist du in deinem Kung-Fu Outfit auf der Bühne abgegangen und hast eine großartige Show abgeliefert…

Afu-Ra: ...ja, ich erinnere mich gut daran. Danach war ich noch mal mit den Perverted Monks hier. Es war eine meiner ersten Shows in Deutschland und wir waren alle positiv überrascht. Ich gebe jedes mal alles auf der Bühne, sogar im Kampfdress!

„Insgesamt bin ich nur zufrieden wenn ich für mich das Gefühl habe, auf einem höherem Level gelandet zu sein!“ (Afu-Ra)

Delicious: Ist Taekwon-Do denn immer noch voll dein Ding?

Afu-Ra: Ich habe es viele Jahre gemacht und tue es immer noch, ja! Ich hatte in letzter Zeit nicht viel Gelegenheit, neue Dinge dazu zu lernen, aber ich mache es Regelmäßig um in Form zu bleiben und nichts zu verlernen. Wenn ich wieder zu Hause in New York bin werde ich mich wieder mehr dem Sport witmen. `It's a part of my life!´

Afu Ra im Palace

Delicious: Seitdem dich Premo damals Überredet hat, ein Album zu recorden hat sich ja eine ganze Menge getan. Mittlerweile hast du drei Alben released und hast dir international einen Namen gemacht. Wie würdest du deine persönliche Entwicklung beschreiben?

Afu-Ra: Hmm, von meinem ersten Album bis jetzt? …Ich glaube das ich es jetzt besser schaffe mich mit der Musik auszudrücken, was ja normal ist, weil man durch die viele Arbeit an den Songs über die Jahre hinweg immer mehr zu sich selbst findet. Es ist insgesamt einfach alles einfacher geworden, weil ich weiß, mit allem besser umzugehen.

Delicious: Worin liegt der Anspruch an dich selbst, wenn du für ein neues Album ins Studio gehst?

Afu-Ra: Wichtig ist für mich dass ich immer eine Verbesserung in meiner Arbeit sehe. Wenn dass neue Album fertig ist will, nein, muss ich davon überzeugt sein! Wenn ich die Texte schreibe, muss es mich flashen und das Gefühl muss stimmen, wenn ich einen Beat picke…
Insgesamt bin ich nur zufrieden, wenn ich für mich das Gefühl habe, auf einem höherem Level gelandet zu sein! Wenn mein Album fertig ist, muss es in der Lage sein mich selbst zu unterhalten, sonst ist es nicht meins…

Delicious: Der wohl am meisten gespielte Track von dir in Deutschland ist „Defeat“. Viele sagen sogar es sei dein größter Hit. Würdest du da zustimmen?

Afu-Ra: Es war der zweite Song, den ich für mein erstes Album geschrieben habe und definitiv immer noch eine Bombe. Es war eigentlich auch der Auslöser dafür, ein ganzes Album zu machen. Premo spielte mir damals diesen Beat vor und ich dachte nur „Damn“!
Das ganze Album (Body of the Lifeforce, Anm.d.Red.) bekam eine völlig eigene Philosophie durch Tracks wie Defeat oder auch Equality… Aber es stimmt schon: `Defeat is still my Heartbeat.´

Delicious: Woher nimmst du die Inspiration für die Musik?

Afu-Ra: Die Inspiration kommt von der Musik selbst. Ich tue stets mein bestes, um mit Produzenten zu arbeiten, die ein hohes Niveau und sehr gute Qualität liefern. Wenn ich dann ein Instrumental bekomme für das ich mich begeistern kann, kann es ganz schnell gehen.

Afu Ra im Palace

Delicious: Wie lange brauchst du ungefähr um einen Track zu schreiben?

Afu-Ra: Das geht schnell! Etwa zwei bis drei Stunden…

Delicious: Das ist in der Tat schnell! Was ist der beste Track den du je geschrieben hast?

Afu-Ra: Boa das ist eine gemeine Frage! (Überlegt) …Hm es gab schon einige magische Momente aber ich würde sagen „Equality“ ist der beste Track. Jedenfalls vom ersten Album. Der Track ist pures Herzblut. Ein echter Hit. ´The feelin' is forever!!!`

Delicious: …und von deinem zweiten und dritten?

Afu-Ra: Also auf dem zweiten definitiv „Hip Hop“ und auf dem aktuellen …Ich glaube „God of Rap“! Es ist ein Track der mir permanent ein gutes Gefühl gibt! Ich beende mit diesem Track meine Show und es war der erste, den ich für das aktuelle Album geschrieben habe.

Delicious: Okay, mal eine weniger schwere Frage: Was hörst du denn Privat am liebsten?

Afu-Ra: Das ist ganz unterschiedlich und sehr Stimmungsabhängig. Ich höre gerne Hip Hop, R'n'B, Dancehall…auch Rock'n Roll, Blues und Soul. Das sind auch alles Stile, die ich dann in meine Songs einfließen lasse...

„I prefer Chicken, Salat and Seafood!“
(Afu-Ra)

Delicious: …Was man auf Lifeforce Radio ja schon raushören konnte.

Afu-Ra: Ja genau und ich glaube das es auf „State Of The Art“ auch so ist. Aber du hast recht, auf Lifeforce Radio sollte es plakativer zum Ausdruck kommen, da mein erstes Album ja sehr „Hip Hop“ war.

Delicious: Also bevorzugst du keine spezielle Musikrichtung?

Afu-Ra: Was ich bevorzuge ist Chicken, Salat und Meeresfrüchte! (lacht)

Delicious: Das dürfte damit also beantwortet sein!

Afu-Ra: Nee ernsthaft, Musik ist so vielschichtig! Ich könnte jetzt sagen, ich mag italienische, deutsche, französische, amerikanische…keine Ahnung welche Musik. Überall ist was dabei! Ich versuche auch, mich nicht zu sehr auf eins zu versteifen, so das ich mich zum Beispiel auch in einen Drumm&Bass Track oder einen Countrysong verlieben kann – u know?!

Delicious: Ja klar! So sollte es sein! Lass uns mal über Deutschland reden. Was würdest du denn antworten, wenn dich jemand fragt: Wie ist Deutschland und die Leute hier?

Afu-Ra: Germany is nice! Ich mag die Leute hier! Alle sind sehr locker und von der angeblich so miesepetrigen Art der Deutschen habe ich bisher nie etwas mitbekommen. Deutschland hat schöne Seiten, aber ist für mich einfach nur anders und nicht mit New York zu vergleichen!
Es ist einfach Deutschland! Ich komme jedenfalls immer gerne und verbringe meine Zeit gerne in verschiedenen Städten

Afu Ra im Palace

Delicious: …Und welche Stadt gefällt dir am besten?

Afu-Ra: Oh, das ist scher zu sagen! Berlin mag ich weil ich einige Freunde dort habe…. Stuttgart, München… Frankfurt hat coole Seiten! Es gibt schon nette Plätze hier.

Delicious: Man munkelt dass du auch etwas deutsch sprechen kannst…

Afu-Ra: (auf Deutsch) Ja bisschen Deutsch! Alles klar?, Hallo, Guten Tag… I don't speak German, but i can say any words.

Delicious: Oha! War wohl mehr als ein Gerücht!

Afu-Ra: Ja es reicht zwar nicht für eine richtige Unterhaltung aber das liegt auch daran, dass deutsch eine sehr schwere Sprache ist…

Delicious: Ja ich hab mal gehört es sei die drittschwerste Sprache der Welt nach japanisch und russisch. Jedenfalls sind zwei drittel der Bürokratie und Paragraphen in Deutsch verfasst! Das sagt glaube ich alles.

Afu-Ra: Wow echt?! Ich sag' ja: Schwere Sprache! (lacht) Aber russisch ist auch hart!

„Als der Song „Why Cry“ entstand wusste ich: Der ist perfekt für Gentleman“ (Afu-Ra)

Delicious: Du hast ja auch auf deinem Album einen Song mit einem deutschen Artist gemacht, den Track „Why Cry“ mit Gentleman. Wie kam die Connection zustande?

Afu-Ra: Ja er hat die Hook gemacht… Ich habe ihn 2003 bei den Hip Hop Open in Stuttgart kennen gelernt. – ein netter Typ! Wir sind danach im Kontakt geblieben und als ich an meinem neuen Album gearbeitet habe und der Song „Why Cry“ entstand wusste ich: Der ist perfekt für Gentleman. Er kam also nach New York und wir machten das klar. Ich halte ihn für einen sehr, sehr talentierten Sänger und Songwriter!

Delicious: Kennst du denn noch andere Deutsche Mcees?

Afu-Ra: Nicht persönlich. Klar habe ich ein paar Leute kennen gelernt… Warte mal, Massive Töne und D-Flame kenne ich noch persönlich. Mit Dj Tomekk habe ich mal was für sein Album gemacht! Ansonsten habe ich schon mal was von Samy Deluxe, Sido und Kool Savas gehört…

Delicious: Was hast du dir denn für die Zukunft vorgenommen?

Afu-Ra: Oh mal sehen… Erstmal in nächster Zeit in Europa Festivals spielen und dann nächstes Jahr auf Tour. Dann sollte auch bald ein neues Album am Start sein!

Delicious: Von wem wird denn das nächste Album produziert werden?

Afu-Ra: Hauptsächlich wird PF Cuttin für die Beats verantwortlich sein und auch der Berliner Producer Tobster wird dabei sein… True Masta und natürlich Dj Premier!

Afu Ra im Palace

Delicious: Du bist ja scheinbar so viel unterwegs. Wann warst du denn das letzte mal Zuhause?

Afu-Ra: Na bevor ich nach Deutschland gekommen bin! Aber es stimmt! Als mein letztes Album fertig wurde musste ich erstmal ein paar Tage Zuhause staubwischen, weil ich jeden Morgen mit einer zündenden Idee aufgewacht bin und anschließend sofort im Studio war, bis Abends. Da war zum aufräumen keine Zeit! (lacht)

Delicious: Ja gut, ich glaube wir müssen nun mal zum Ende kommen. Ich würde zwar gerne noch Stundenlang mit dir quatschen, aber das Tape ist bald voll… Hast du denn noch etwas was du an deine Deutschen Fans loswerden willst?

Afu-Ra: (auf Deutsch) Yeah to all: Hallo! Ich liebe Deutschland! An alle Mädels: Du kannst aaalles mit mir machen! – …Alles was du willst! (hält sich den Bauch vor lachen)

Delicious: Na dann… viel Glück bei deinen Missionen!


Nachwort: Es war 4:05 Uhr als O.C. als letzter von der Bühne ging. Momentan als Support haben eine gute Show abgeliefert, El Da Sensei hat das Publikum nahezu perfekt auf Afu-Ra vorbereitet und dieser hat dann das Skaters Palace komplett abgerissen. Eine Show von über 2 Stunden sieht man mittlerweile ja selten und selbst danach hatte das Publikum noch kraft für O.C., der den Abend recht entspannt ausklingen ließ, gelungen!!

Interview: Fill Wahle
Fotos: Markus Rödder [whoshotyou.de]

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