Dilated Peoples - Interview

27.11.2006
Interview: Dilated Peoples

Back Again

Zum zweiten mal als Dilated Peoples in Münster, zum zweiten Mal haben sie das Skaters Palace abgerissen und ein glückliches Publikum zurückgelassen - nach eben diesem unglaublichen Konzert treffen wir auf Evidence, Rakaa und Babu, die sich müde, erledigt aber gut gelaunt an den Tisch setzen - Back Again...

Delicious: Hallo Jungs! Schön euch mal wieder in Münster zu treffen. Wie oft wart ihr denn schon hier bisher?

Rakaa: Ja danke! Also Dilated sind jetzt zum zweiten Mal hier. Allerdings waren Babu und ich auch zwischendurch schon mal hier mit dem Expansion-Sound System. Jedes mal hatten wir hier ganz gut Spaß! Die Leute hier sind Crazy.

Delicious: Okay, das wird das Münsteraner Publikum gerne hören. Was wisst ihr denn sonst noch über die Stadt?

Rakaa: Es ist offensichtlich eine große Anlaufstelle für Hip Hop Fans in Deutschland, wegen des B-Boy Battles, der Graffitti-Szene und Skateboarding scheint hier ja auch ganz groß zu sein.

Ach und ehrlich Mann, ich sag dir die Wahrheit: Ich war immer miserabel auf dem Board.


Delicious: Hier findet immerhin die Skate-WM, der Monster Mastership statt.

Rakaa: Oh really? – That’s great! Wir sind früher auch viel geskatet, aber haben natürlich keine Zeit mehr dafür. Ach und ehrlich Mann ich sag dir die Wahrheit: Ich war immer miserabel auf dem Board!

- allgemeines Gelächter-

Babu: …  Na ja, wenn man viel „On Tour“ ist und Familie hat, ist das eben so das so was auf der Strecke bleibt und na ja, ich bin dafür glaube ich auch langsam zu alt. (lacht).

Evidence: Ich bin lange Zeit in Venice-Beach in Kalifornien geskatet. Es gibt kaum einen geileren Ort dafür. Glaubts mir.

Delicious: Okay, dann seit ihr ja verkappte Experten auf dem Gebiet. Jetzt aber mal zu euch und der Musik. Ihr seit mal wieder auf Tour durch Europa mit eurem aktuellen Album 20/20. Da interessiert uns natürlich brennend, wofür steht dieses „20/20“?

Rakaa: Wir spielen gerade ein paar Gigs, wobei man das nicht unbedingt Tour nennen kann. Wir werden noch mal eine große Release-Party feiern mit einer Tour, wenn unsere DVD draußen ist. Wir arbeiten gerade an einer DVD, auf der eben auch viele Live-Sequenzen und Tracks zu sehen sein werden.

Was 20/20 heißt willst du wissen? – Ganz einfach! Es ist eine Fachbezeichnung in den USA aus der Optiker-Medizin. Es bedeutet soviel wie exaktes Sehvermögen und den totalen Durchblick.

Delicious: Ihr habt also den totalen Durchblick?

Rakaa: (lacht) Yes, we have!

Babu:  Wenn der Doc. Deine Augen checkt und meint: „20/20“, dann heißt es, dass du den perfekten Durchblick hast. Wenn jemand unser Album hört, soll er checken, das unser Style perfekt sitzt. Wir haben das Album so benannt, weil wir in der Entstehungsphase genau wussten was wir wollen und wir für uns einfach in der Hinsicht den totalen Durchblick hatten.

Evidence: Wir wollen durch manche Tracks den Leuten ja auch die Augen öffnen.

Delicious: Was ist denn euer Wichtigster Song auf dem Album?

Rakaa: Also für mich ist es „Back again“. Der ist sehr Powerful und bringt das zum Ausdruck, was wir dachten, als wir den Beat das erste mal hörten. Es besteht da sogar eine interessante Parallele zu jetzt, wo du uns fragst.

Wir saßen ja letztes mal schon hier zusammen in Münster und haben geredet. Kurz vor dem Gig damals (beim Expansion Sound System. Anm. d. Red.), ließ uns „the Alchemist“, den Beat zu „Back Again“ zukommen. Evidence war ja nicht dabei aber Babu und ich hörten beide den Beat und dachten nur: „Damn, that’s it!“

Evidence: Als ich den Beat zu hören bekam konnte ich mich dem ja nur anschließen. Der Beat ist die Bombe und passte prima dazu was wir sagen wollten. Nämlich „Wir sind zurück“.

Dilated ist eine große Crew und wir wollten uns nicht nachsagen lassen, das wir nur auch auf diesen Zug aufspringen wollen, wo alle mit Kanye West oder Lil´John-Beats Geld verdienen wollen.


Delicious: Wie, nur „Wir sind zurück“???

Rakaa: Na ja, es gab leider einige, die unser letztes Album falsch verstanden haben und denen wir damit eine Ansage erteilen wollten. Der Song ist dem entsprechen geil geworden. Einfach ill! Genau nach dem Geschmack auch das Video.

Evidence: Dilated ist eine große Crew und wir wollten uns nicht nachsagen lassen, das wir nun auch auf diesen Zug aufspringen wollen, wo alle mit Kanye West oder Lil’John-Beats Geld verdienen wollen.

Delicious: Deswegen fehlte diesmal auch eine derartige „Street Single“ wie etwas „This Way“?

Evidence: Nicht unbedingt deswegen. Wir haben nicht bewusst auf einen Kanye West verzichtet, sondern viel mehr ergab sich aus den Produktionen, von den Leuten aus unserem Umfeld, das es auch so zu einem runden Ergebnis reicht. Typen wie wie eben Alchemist, Joey Chavez etc. sind ja schließlich auch keine „No Names“.

Delicious: Aber es ist schon auffällig, das ihr diesmal auf die „Bignames“ verzichtet habt…

Rakaa: Es gibt viele, mit denen wir gerne was gemacht hätten, wie u.a. Beatminerz oder tha Nuts, aber ich denke, wenn wir all diese Leute mit ins Boot gepackt hätten, wäre unsere eigener Sound zu sehr auf der Strecke geblieben. Ich und Babu können ja nicht umsonst selbst Produzieren.

Ich mag Premo und Kanye auch immer noch sehr gerne und würde jederzeit wieder mit denen zusammenarbeiten, aber irgendwann muss man sich ja auch eine Deadline setzen! Das ist die andere Sache! Da wir mit beiden ja schon in Vergangenheit etwas gemacht haben, war es diesmal nicht so zwingend notwendig. Ach ja, mein persönlicher Favorit ist „You can’t run, you can’t hide“.

Delicious: Wie kamt ihr denn auf die Idee? Habt ihr euch inspirieren lassen von der alten TV-Serie „John Striker“ ?Wegen dem Sample?

Rakaa: Ähm…nee! Keine Ahnung wovon du redest.

Delicious: Na ja, es gab hier in Deutschland vor kurzem einen Film, der hieß „Goldene Zeiten“, worin diese Serie aus den Achtzigern auf die Schippe genommen wurde. Darin wurde der Satz „You can run, but you can’t hide“, besonders oft benutzt. Und kurz danach kam euer Song. – Ein interessanter Zufall.

Rakaa: Also das Sample haben wir auf jeden Fall geklärt wenn du das meinst…

Evidence: Ich kenne den Film nicht, Aber unser Song hat bis auf diese Parallele, mit dieser Serie nichts zu tun. Das Sample stammt von irgend so ‚einer Gospelplatte. Asche über mein Haupt, aber ich weiß den Titel gerade nicht. Egal! (lacht)

Babu: Also, „20/20“ ist mir sehr wichtig! Aber eben auch „Back Again“. Keine Ahnung welcher mir am besten gefällt. Das ist mir relativ…

Delicious: Wie waren denn die Reaktionen zu eurem letzten Album? Wart ihr mit den Kritiken zufrieden?

Evidence: Eigentlich war es wie immer. Es gab ein paar schlechte, aber überwiegend gute, was natürlich das beste war. Das Magazin „the Source“ gab uns als Bewertung vier Mics. Das die beste Bewertung, die wir je hatten in diesem Mag. Also kann man sagen, das wir schon sehr Zufrieden waren.

Delicious: Wart ihr denn generell einverstanden, mit dem, was die Kritiker geschrieben haben und mit dem Begründungen?

Gelernt haben wir, glaube ich, wie viele andere, das man es nie allen recht machen kann.


Evidence: In erster Linie finde ich es immer sehr interessant, wie andere Menschen unsere Musik empfinden und welche Gedanken sie sich dazu machen. Es sind schließlich Personen mit eigener Meinung. Das kann schon mal stark abweichen vom eigenen Empfinden, aber es war eigentlich nie so, dass jemand etwas geschrieben hat, wo ich dachte: So eine Meinung kann man nicht haben.

Gelernt haben wir, glaube ich, wie viele andere, das man es nie allen recht machen kann.

Man muss sich immer wieder vor Augen halten, das es eben Meinungen sind von Einzelpersonen und nicht von dem gesamten Magazin oder der Radiostation. Wenn jemand sagt: „Deine Platte ist kacke“, dann ist das seine Ansicht und nicht die von allen Redakteuren, die dort arbeiten. Das muss man dann aber auch respektieren!

Delicious: Stichwort Radio. Wie waren denn die Reaktionen der Radiostationen? Hattet ihr denn bisher viel Airplay mit Songs von 20/20?

Rakaa: Ja teils schon. Vor allem die Radio DJs haben sich anfangs auf „Back again“ gestürzt. Es lief und lief…  Djs sind aber nicht zu vergleichen mit einer Radiostation, wo einfach jemand aussucht.

Ein DJ hat immer zwei Ohren für die Musik, während bei den Sendern oft nur zählt, was Einschaltquoten beschert. So lief auch „Kindness for weakness” auf einigen Stationen sehr gut, was andere wiederum nicht taten.

Delicious: Man hat teilweise das Gefühl beim hören, dass eure neue Platte wieder ehr an die erste (The Platform) anknüpft. War das bewusst so geplant.

Rakaa: Sagen wir mal, wir haben es in Kauf genommen. (grinst) Nee es war schon irgendwie gewollt, da wir vom Gefühl her, während der Produktionsphase, da waren, wo wir damals waren. Nahe am Rap, nahe an Graffiti und nahe an der Straße.

Es war ein wunderbares Feeling, weil wir uns einfach auch keinen Druck angenommen haben von der Plattenindustrie, wie das Album klingen muss, um ein Bestseller zu werden. Es war uns in diesem Moment egal, wie viel Airplay es haben wird, wie gut das Video ankommt und so weiter. We don’t care about that…

Delicious: Okay zum Abschluss noch mal eine ganz andere Frage: Was wär denn aus euch geworden, wenn ihr nicht mit der Musik Erfolg gehabt hättet?

Rakaa: Vielleicht Architekt oder Gebäude-Designer. Ich war auf einer Designschule, wo man gelernt hat, Gebäude zu entwerfen, was mich immer sehr interessiert hat. Ich genieße es schöne Formen zu sehen. Egal ob Häuser, Vasen oder Graffiti. Ich hätte so oder so etwas in diese Richtung gemacht! Gute Musik ist ja auch eine Form von Design…

Babu: Ich würde immer noch bei Fatbeats Platten verticken. (lacht)

Evidence: …Und ich würde  immer noch Weed verticken.

Delicious: Okay! Dachten wir uns!

allgemeines Gelächter

Delicious: Gut,  gut. Wir kommen zum Ende. Was wird es noch so von euch in kürze zu hören geben?

Evidence: Von mir ein Solo-Album, was heißen wird: „The Weather Man“. Es kommt im März 2007 raus.

Babu: Nicht zu vergessen: Unsere DVD.

Delicious: Okay wir sind gespannt und wünschen euch bis dahin alles gute!

Babu: Peace out to all readers of Delicious Magazine!


-Fill Nino-
-sub-

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